Geschichte des Schwarzen Reiches

Drachentöter und Drache
Drachentöter und Drache
0: Die Zeitrechnung der Orks beginnt mit der Erschaffung der Welt (ein für orkische Verhältnisse beachtlich wenig willkürlicher Zeitpunkt). Die Welt ist, wie jeder weiß, eine rechteckige Scheibe, und wer sich über den Rand beugt, stürzt ins Nichts. Die Orks haben sich seit je darüber gestritten, wer nun eigentlich die Scheibe erschaffen hat. Nach der einen Ansicht entstand die Welt ähnlich wie die Kuhfladen auf den Deichen an der ostfriesischen Küste - nach einer anderen Ansicht entstand die Welt aus der Notwendigkeit für den ersten Ork, Boden unter den Füßen zu haben.

1: Das Jahr 1 folgte nicht direkt auf das Jahr 0. Dazwischen liegen noch etwa zwei Millionen langweiliger Jahre, in denen nichts außer Evolution passierte. Daher wird dieser Zeitraum von den Chronisten des Reichs übergangen. Aber am Ende des Jahres 1 tauchen die ersten handlungsfähigen Orks, Trolle, Zwerge, Elben und Halblinge auf, und der Ärger beginnt.

54: Gorleth III., der erste seines Namens (er nennt sich "Der Dritte", weil er das eindrucksvoller findet), wird Hochkönig des seinerzeit noch Goldenen Reiches. Ghorleth ist ein hochgewachsener Elb, der alle Völker (bis auf die Orks) im Goldenen Reich zur Blüte und zum Wohlstand führt. Die Orks führen, zersplittert wie sie sind, in finsteren Höhlen ein Paria-Leben, gejagt von den arroganten Elben.

87: Ismail Shibaodh strandet mit seinem Fischerboot auf der Schlangeninsel, nachdem er bei der Umrundung des Nordostkaps alle Hoffnung aufgegeben hat. Dort stirbt er durch den Würgegriff einer riesigen Pythonschlange - und das wird unabsehbare Folgen haben!

99: Ghorleth III. führt das Heer des Goldenen Reiches gegen die Ghidsch. Die Ghidsch sind Fischmenschen. Sie haben lange Zeit friedlich im Meer gelebt, bis sie durch die zahlreicher werdenden Angler mit ihren spitzen Angelhaken so gereizt werden, daß sie beschließen, die Völker des Goldenen Reiches zu vernichten.

103: Eghelronds Abkommen: Den Ghidsch wird exklusiv der Fischfang übertragen. Dazu wird ihnen das Ghidsch-Land im Nordosten des Goldenen Reiches zur Verfügung gestellt. Begeistert werfen die Ghidsch Angeln mit den verlockendsten Ködern und den spitzesten Haken aus - schließlich wissen sie am besten, wie sie ihre ehemaligen Leidensgenossen, die Fische, fangen können.

117: Gründung der Akademie von Jool Harbour. Die Akademie beschäftigt sich insbesondere mit der Erforschung der Magie. Ghorleth III. stirbt ohne Nachkommen. Die Todesursache ist unbekannt; man vermutet, daß Ghorleth III. bei eigenen Experimenten mit der Magie versehentlich den SCHNUPFEN-Spruch auf sich richtete und sich zu Tode nieste.

125: Der Optische Friede. Tatsächlich wird die Zeit bis zu diesem Jahr durch die kleinen und etwas größeren Fehden zwischen den Großen der Völker im Blattgoldenen Reich geprägt, die um die Vorherrschaft im Reich rangeln. Gruumsch, einer der häßlichsten Orks, der je gelebt hat, meldet den Anspruch der Orks auf einen "Platz an der Sonne" an (womit er die totale Vorherrschaft der Orks meint).

126: Ishagar erkämpft sich die Krone des Blattgoldenen Reiches. Er ist der einzige Troll, der Hochkönig wird. Da der Intellekt eines Trolls wie Ishagar etwa dem einer Küchenschabe mit Hochschulreife entspricht, ist die Herrschaft Ishagars nur von kurzer Dauer. Ishagar verliert die Krone im Jahr seiner Thronbesteigung, als er sich bückt, um seine Keule aufzunehmen. Er findet sie nicht wieder, weil einer der Hofbeamten sie blitzschnell versteckt. Den darauf entstehenden juristischen Streit, ob ein Hochkönig ohne Hochkönigskrone noch Hochkönig sei, schlichtet Ishagar, indem er mit der Keule ausholt und sich dabei versehentlich selber (natürlich tödlich) trifft.

Sein Nachfolger wird Gorleth IV, einer der Elbenfürsten.

151: In der Diamantenwüste wird das erste Bergwerk errichtet. Das Bergwerk fördert gute Minen zu bösen Spielen, die bei den Völkern im Silbernen Reich Höchstpreise erzielen. Die Regierungszeit Ghorleths ist ziemlich ruhig. Überliefert ist die Vorliebe Ghorleths für schlechte Wortspiele, die bei den Großen der Völker die verschiedensten Reaktionen - von mildem Kopfschütteln bis abgrundtiefem Entsetzen - auslösen.

178: Threlgar Schädelquetscher führt den Stamm der Wurzelfresserorks aus den Höhlen von Ghulmar und setzt den dortigen Fürsten ab (und zwar ziemlich unsanft). Berühmt ist das Schädelspiel, durch das über das Schicksal von Khidya entschieden wurde. Es endete 1:0 für Threlgars Mannen. Die Siegermannschaft war trotz 1240 roter Karten am Ende des Spiels allein auf dem Spielfeld - die als Ordner eingeteilten Geier hatten an diesem Tag viel zu tun...

179: Ghorleth IV überzeugt Threlgar (dachte Ghorleth IV wenigstens), daß es für alle am besten sei, wenn die Wurzelfresserorks sich auf Ghulmar, Khidya, Rheldar und Ouvha beschränken würden. Lhor, der Erzmagier in Jool Harbour, leistet für Ghorleth IV mit einem ORKPEST-Spruch Argumentationshilfe.

183: Arghon der Schatten läßt DIE NADEL, die Heimat der Meuchelmörder, erbauen. Die Meuchelmörder dienten von da an den Völkern im Bronzenen Reich als Diplomaten. Arghons Jünger waren so diplomatisch und taktvoll, daß man ihr Auftreten meist erst bemerkte, wenn sie ihre Mission bereits erfüllt hatten.

192: Die Zwerge wandern aus dem Bronzenen Reich aus. Die Gründe dafür sind nicht alle bekannt. Sicherlich dürfte der sich ausbreitende Orkgestank nicht ganz unbeteiligt daran gewesen sein.

198: Die Akademie von Jool Harbour entwickelt den TERRAFORM-Zauber. Durch ihn kann man die vorherrschende Bodenform eines Landstrichs magisch verändern. Allerdings gerät der Zauber bei seiner Entwicklung außer Kontrolle. Seitdem wechselt die Verteilung von Gebirge, Sumpf, See, Wald und Ebene gelegentlich (nämlich von Spiel zu Spiel). Das Jahr 198 ist das Jahr, von dem an die Zunft der Kartographen mit der Zeitrechnung beginnt.

211: Ssyon Hraudarkar (seine Freunde nennen ihn "die Schuppe") verbreitet die Lehre von Khurrad, dem Schlangengott. Ausgangspunkt dieser Einzig Wahren Religion ist Ismail Shibaodhs Reise zur Schlangeninsel (s.o.). Ssyon sieht sich als Inkarnation Ismails, der seinen Leib Khurrad geopfert hat, um dessen Gnade und Gunst zu erwerben. Ssyson behauptet, daß Khurrad auf der Schlangeninsel lebe. Tatsächlich kann man seit einiger Zeit von Jool Harbour aus einen größeren Turm sehen, dessen Spitze aus einer glitzernden und funkelnden Kugel besteht, die wie ein Auge wirkt.

Wichtigstes Element der Lehre von Khurrad ist der Glaube daran, daß Khurrad die Erfolgreichen liebt und die Erfolglosen verachtet. Dieser Grundsatz macht die Lehre insbesondere bei den vermögenden Bevölkerungsteilen beliebt.

219: Ghorleth IV stirbt. Seine Nachfolgerin wird Weyleth die Sommersprossige. Über Weyleth gibt es nicht viel zu berichten - ihr ist so ziemlich alles mißglückt, was sie angefangen hat. Besonders enervierte Weyleth das nach jedem Unglücksfall unweigerlich einsetzende, unerträglich hämische Lachen und Spotten der Orkhorden, die dazu gelegentlich ihre Köpfe aus ihren Höhlen steckten.

227: Weyleth gibt Unclus, dem Hofschmied, den Auftrag, die Heilige Lanze zu schmieden. In die Schmelze sollten vom Hofmagier Zacharais allerheiligste Substanzen gegeben werden, um die Lanze zu einer mächtigen magischen Waffe gegen die immer lästiger werdenden Khurradanhänger und Orkbanden werden zu lassen. Leider hatte Weyleth nicht bedacht, daß Zacharais seinen Jahresurlaub gerade zu dieser Zeit genommen hatte. Als sie den Lehrling von Zacharais bat, den Meister zu vertreten, kam es, wie es kommen mußte. Statt der allerheiligsten Substanzen warf sich der Lehrling versehentlich selber in die Schmelze, wodurch statt einer Heiligen Lanze eine Unheilige Lanze produziert wurde. Lästig war, daß sich dieses mißratene Werkstück nicht vernichten ließ - also stellte Weyleth sie nach dem Abkühlen in eine Nebenkammer der Küche ab und vergaß sie dort.

239: Erster Glaubenskrieg. An einem schönen Maientag (dem vierten Mai, um genau zu sein), stürmen aus allen Grotten die Orks, die noch dort verbannt waren, und vereinigten sich unter Kher Klumpfuß mit den Wurzelfresser-Orks. Auslöser waren schreckliche Geschichten aus anderen Teilen der Welt, wonach es einem Halbling gelungen sein soll, die dort lebenden Orks fast völlig zu vernichten, indem der Halbling einen Ring in den Krater eines Berges warf.

Spruchrolle

Die Magier von Jool-Harbour experimentieren daraufhin einige Zeit, ob das Hineinwerfen von bestimmten Ringen in bestimmte Bergkrater magisch relevante Effekte erzeugt; die Forschungsarbeiten sind noch nicht abgeschlossen.

Die Orkhorden überrennen fast das ganze Eiserne Reich. Alle anderen Völker ziehen durch das Vorland in den Nordostkontinent und errichten hinter sich die Letzte Wehr. Diese Befestigungsanlage wird von den fähigsten Weißen und Grauen Magiern, die die Völker aus Jool Harbour mitgenommen hatten, mit Haltbarkeit-siehe-Laschenprägung-Sprüchen (*), Kontaktflüchen und Bannzaubern belegt, so daß für die Orks kein Durchkommen ist.

Kher Klumpfuß, der gläubiger Anhänger Khurrads ist, läßt danach überall im Schwarzen Reich Tempel des Schlangengottes errichten und befiehlt die alleinige Verehrung Khurrads. Andersgläubigen befiehlt er, sich an einem bestimmten Tage zu einer bestimmten Uhrzeit gleichzeitig im ganzen Schwarzen Reich in öffentlichen Hallen einzufinden, um sie zu zählen und zu registrieren. Dieser Tag wurde auch als "Tag des Rechtgläubigen Gemetzels" bekannt - nach ihm hörte man von keinem Andersgläubigen mehr.

*: Haltbarkeit-siehe-Laschenprägung-Spruch: Ein Zauber, der dadurch wirkt, daß Orks automatisch veranlaßt werden, das bezauberte Objekt nach einer lesbaren Laschenprägung abzusuchen, die natürlich nicht vorhanden ist (jedenfalls nicht ohne magische Hilfsmittel lesbar). Dadurch wird der Gegenstand unendlich haltbar.

253: Alle Orkhäuptlinge schließen sich dem Abkommen von Ephel an. Danach ist auf dem Sklavenmarkt im Vorland Frieden zu halten, auch wenn dort Kaufleute aus verfeindeten Stämmen aufeinander treffen. Der Frieden, so vereinbaren die Orks feierlich, soll so lange halten, bis ihn einer bricht.

284: Kuon der Schreckliche wird Hochkönig des Schwarzen Reiches. Bei seinem Regierungsantritt läßt er alle Burgen der Fürsten im Schwarzen Reich schleifen. Seine Erklärung hierzu, die er den betroffenen Fürsten zustellen ließ, ist noch überliefert:

"Bruder! Freund! Unser lieber und geschätzter Ratgeber!

Hört nicht hin, wenn es in Eurer Burgwand knirscht! Seht nicht hin, wenn Unsere tapferen Truppen mit Rammen Eure Burgmauern niederlegen und Unsere johlende Soldateska einen Großteil Eurer Bevölkerung abschlachtet, Eure Vorräte verbrennt und gar Euch selbst einen Tort antut. Tätet Ihr es doch, würdet Ihr Euch nur unziemlichen Gefühlen des Zorns und der Trauer hingeben. Bedenkt, wie Wir in Unserer Weisheit Euch von einem Großteil Eurer Probleme erlösen. Nie wieder müßt Ihr darüber nachdenken, wie Ihr Eure Macht vergrößern könnt, denn Ihr habt in Hinkunft kaum eine. Nie wieder wird Eure Bevölkerung mehr Korn, mehr Sklaven und mehr Blutopfer verlangen, denn Ihr habt in Hinkunft kaum noch Volk. Nie wieder werdet Ihr über Zugluft in Eurer Burg klagen, denn Ihr habt in Hinkunft kaum noch eine Burg. So sind Wir: in schlaflosen Nächten haben Wir darüber nachgedacht, wie Wir Euer Los erleichtern könnten, und siehe! Khurrad gab Uns eine hochkönigliche Lösung Eurer Probleme ein. Sicher werdet Ihr nun umso leichter Unserer Bitte folgen können und Euch allerdemnächstiglich in Unserem Palast einfinden, um dort der Hinrichtung der ungetreuen Fürsten beizuwohnen, die gegen diesen Unseren Ratschluß aufbegehren - so Euch Unsere Soldateska inzwischen nicht dekaputierte.

Mit liebem, liebem Gruß

Euer väterlicher Freund,

Kuon

Hochkönig des Schwarzen Reichs, Umspanner der Welt, Träger des Universums, General der Heerscharen des Bösen, Höchster Hohepriester Khurrads und aller Götter unter ihm, Schleifer der Burgen, Prinz des Übels, Großfürst der Finsternis, König der Elben, Trolle, Menschen und Halblinge (in Abwesenheit), Kanzler des Zwergenreichs (in Abwesenheit) etc. pp.

288: Aus dem Ghidschland dringen die Spinnenreiter ein. Voran reitet Arakhna auf einer gewaltigen Vogelspinne. Nur unter größten Verlusten gelingt es dem hastig aufgestellten Heer unter dem General Kuons, Zoolour Burgschleifer, die Invasionstruppen zu vernichten.

294: Kuon ruft einige Schwarzelben ins Land, um einigen sich selbst zerfleischenden Stämmen starke Häuptlinge zu geben. Die Schwarzelben zeichnen sich durch besondere Angriffslust aus - Kuon bereut seinen Entschluß schon wenig später.

311: Khismet, der letzte der Drachen, bietet sich Irwin Augenblender an. Irwin verspricht Khismet eintausend Goldohren, wenn er die Burg Thorgul Kinderquälers einäschern und dessen Heer aufreiben würde. Dies ist das Ende Thorguls Kinderquälers.

313: Ghorsch Ghorschensohn, ein Mischling, der von einer als Sklavin gehaltenen Elbenmutter und einem Ork abstammt, zieht in die Diamantenwüste. Ghorsch ist von Beruf Drachentöter und arbeitet gegen Höchstgebot.

Zarko
Zarko, gezeichnet von Marian Grabke

319: Unter den verschiedenen Fürsten im Schwarzen Reich ragen besonders Orchard die Pocke, Humbert Fettlocke und Orm Einarm hervor. Die zwischen ihnen auftretenden Zwistigkeiten führen zu einem grausamen Ende: Orchard stirbt an Gift, das ihm Humbert verabreicht, Humbert wird von Einarm nach der Eroberung von Humberts Stamm hingerichtet und Orm verlor sein Leben, als er triumphierend in die Burg Humberts einzog (und die Falltür beim Eingang übersah).

323: Das Heer von Gnah Zallpurz entdeckt in Siachland einen Eremiten, der die Soldaten des Heeres in dem Mysterium der Waffenkunst unterweist. Daraufhin nennt sich das Heer "Die Unausstehlichen" und fährt einen Überraschungssieg nach dem nächsten ein. Leider war Gnah nicht so fair, den Aufenthaltsort des Eremiten den anderen Fürsten bekannt zu geben.

325: Widerstrebend sehen einige Stammesführer ein, daß Bildung zwar unorkisch, aber doch effektiv sein kann. Lemuel Otterwerfer zum Beispiel, der Fürst der Blauhintrigen Vierzahnorks, freute sich wie ein Schneekönig, als er feststellte, daß die Parasiten an seiner "Universität" (eine Sammlung elender Hütten, wobei als Besonderheit die dortigen Orks von den Soldaten nicht täglich gequält, gefoltert und gejagt wurden) eine Methode entdeckten, wertvolle Produkte effizienter herzustellen.

327: Kuon der Schreckliche, Hochkönig des Schwarzen Reiches, stirbt. Wer wird dessen Nachfolger werden?

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